Wenn die SCHAM auf’s Papier tropft

Wenn die Scham auf’s Papier tropft und kurz vor dem Klicken des Veröffentlichen-Buttons ein flaues Gefühl in der Magengegend entsteht, geht es meist um einen neuen Blogartikel in der Kategorie „Persönliches“ oder „Die Schreibfreundinnen“. Ein untrügliches Indiz dafür, dass jeder veröffentlichte Beitrag ein Schritt aus meiner Komfortzone ist. Bloggen ist gleichbedeutend mit Persönlichkeitsentwicklung.

Wir, die Schreibfreundinnen, fanden „ganz zufällig“ im Rahmen eines Schreibcamps zueinander und plötzlich tauchte der Gedanke auf, gemeinsam ein Mutmach-Buch zu schreiben. Sechs starke Frauen, sechs verschiedene Schicksale, bunt zusammengewürfelt. Jedes einzelne macht betroffen, wenn du dich drauf einlässt und auch zwischen den Zeilen liest.

In unserer Kennenlernphase behandelten wir verschiedene Fragen, die wir einander bei unseren virtuellen Treffen stellten. Jede auf ihre Art. Diese Fragen gingen zum Teil sehr in die Tiefe, Schon beim Präsentieren unserer eigenen Texte vor den anderen, war Scham meine ständige treue Begleiterin. Schließlich war ich nicht nur schreibtechnisch das Kücken, der Neuling, auch als Schreibfreundinnen wuchsen wir erst langsam zusammen.

Anonymität adieu

Zu jener Zeit war bei den Schreibfreundinnen noch keine Rede von der Veröffentlichung eines Blogs. In meiner Blauäugigkeit redete ich mir zu dieser Zeit ein, in die Anonymität abtauchen zu können. Wer kennt denn schon Evelyne Peters?

Doch einige Monate später entstand die Idee, unsere bereits geschriebenen Gedanken in unsere eigenen Blogs auf der Website zu integrieren und gegenseitig zu verlinken. Da wurde mir erstmals mulmig, denn da war es nun aus mit der Anonymität.

Eine Website?

Anfangs schob ich das Thema Website vor mir her. So dringend war das schließlich auch nicht mit dem Bloggen. Erstmals nur das Handwerk des Schreibens erlernen… Ich tauchte hier zwangsläufig in eine neue, spannende Welt ein, die mich immer mehr in ihren Bann zog.

Immer intensiver reizte es mich, doch wenn ich Blogs veröffentlichen will, so brauchte ich eine Plattform dafür. Viel Bauchweh und Unsicherheit begleitete diese Entstehung. Ich hatte keine Ahnung von WordPress & Co, vom richtigen Aufbau einer Website schon gar nicht. Doch für diesen Versuchsballon wollte ich mir auch keine professionelle Hilfe holen. Wer weiß, ob ich das überhaupt lange genug durchziehe?

Perfektionismus ade!

Im Rahmen des Schreib-Rebellen-Summer-Clubs setzte ich voriges Jahr tatsächlich mein Vorhaben in die Tat um: ich schnitzte mir mit viel Herzblut und auch Mut eine Website. Trial & Error. Puzzlesteinchen für Puzzlesteinchen, inspiriert mit Tipps meiner zum Teil in diesem Bereich professionellen Schreibschwestern sowie Angela Löhr, die den Summer-Club leitete. So entstand eine Website, auf der ich zumindest einmal meine Blogs veröffentlichen konnte.

Das Leben relativierte so viel für mich, dass mein ehemaliger Perfektionismus einem gewissen Lebenshunger wich. Ich möchte einfach noch so viele Dinge ausprobieren, doch wo gehobelt wird, da fallen Späne. Das ist jedoch nicht mit Versagen, sondern mit Lernen und Erfahrungen sammeln gleichzusetzen.

Weg zur Aufarbeitung

Mein Grund zu bloggen war in erster Linie, mich neu zu finden und meine traumatischen Erlebnisse der letzten Jahre zu verarbeiten. Genau diese Themen sind jedoch allesamt sehr persönlich. Wenn ich mich derartig öffne, zeige ich mich gleichzeitig sehr verletzlich. Will ich das nach außen tragen?

Ich wurde zur Zurückhaltung erzogen, nur nicht auffallen und keine eigene Meinung haben… Lange Jahre meines Lebens prägten mich diese Limitierungen.

Jump out of the comfortzone

Ich bin nicht die geborene Rebellin, ich war lange Jahre begnadet in der Rolle des Opfers. Doch die WECHSELjahre haben ihren Namen zu Recht. Auch meine Perspektive veränderte sich in vielerlei Hinsicht, ich begann, mein Leben in die Hand zu nehmen. Auch wenn ich mich oft unwohl dabei fühlte – so ist das eben, wenn du deine Komfortzone verläßt. Und das mache ich jedesmal, wenn ich auf den Veröffentlichen-Button klicke.

Ich lernte schrittweise dazu, machte Fehler, korrigierte sie (zumindest jene, die mir auffielen). Seitdem bin ich dran und veröffentliche nahezu jede Woche einen Artikel. Unter anderem seit heuer in der Rubrik „Die Schreibfreundinnen“.

Auf den Wellen des Lebens reiten

Wir Schreibfreundinnen wollen zeigen, dass die Wellen des Lebens zwar oft stürmisch sind, sie uns jedoch irgendwann in Gebiete führen, in denen es wieder besser läuft. Mitunter ist es hilfreich sich einfach treiben zu lassen, nicht länger gegen die Welle anzukämpfen. Dem Leben zu vertrauen, auch wenn es im Moment schwer fällt und auf der Welle mutig zu reiten. Es kommt immer wieder vor, dass aus der Tiefe plötzlich wunderbare Dinge auftauchen, mit denen du nicht rechnest (z.B. ein vollkommen neuer Weg).

Doch bis du soweit bist vertrauen zu können, schluckst du mitunter viel Wasser und bist dem Ertrinken nahe. Verzweiflung, Angst und Trauer sind deine Begleiter, du tauchst durch tiefe emotionale Verstrickungen und schaust deinem inneren Drachen ins Auge.

Über solche Phasen zu schreiben ist nicht einfach. Oftmals ist es peinlich und von aufkeimender Scham behaftet. Du haderst und kommst dir so ungenügend vor. Das Gefühl versagt zu haben macht dich klein – und genau das willst du jetzt an die Öffentlichkeit tragen? Echt jetzt?

Mut-mach-Geschichten mit Herz

Ja. Echt. Weil es viele Menschen gibt, die verzweifelt sind und die Rat suchen. Die möglicherweise ähnliche Schicksalsschläge erlebten und dankbar sind für Anregungen, die ihnen neue Sichtweisen eröffnen.

Perspektiven, die sie das eigene Schicksal etwas leichter ertragen lassen, die Mut machen. Geschichten, die verzweifelte Menschen einhüllen in einen Mantel von Verständnis, Liebe und Zuversicht.

Ich bekam u.a. bei jenen Artikeln Kommentare, die mich selbst zutiefst berührten, z. B. war dieser Blogartikel anlässlich des zweiten Todestages meines Sohnes jener, mit den meisten Reaktionen 2022. Auch Danksagungen, dass ich dieses Thema aufgriff, es enttabuisierte. Dieser Artikel wurde sogar wie ein Rettungsring weitergeleitet an einen verzweifelten Menschen, der es nicht von alleine schaffte, wieder aufzutauchen.

Ob es half? Ich weiß es nicht. Doch wenn nur eine Mutter oder ein Vater die Verbundenheit spürt, dass auch andere ihr Kind verloren und trotzdem wieder aus dem Sumpf auftauchten und Lebenshunger verspüren, dann hat sich die Veröffentlichung – trotz klebrig kriechender Scham – gelohnt.

Als ich noch davon ausging, vor meinem Kind zu sterben… 2011

Du willst wissen, wie die anderen Ladies drüber denken? Dann lies hier weiter…

Susanne

Alex

Marion

Christine

Claudia

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