Warum ich begann, meine Füße anders zu sehen
Lange Zeit unbeachtet, modischen Trends untergeordnet und eingesperrt, zollte ich meinen Füßen jahrzehntelang nicht die ihnen gebührende Aufmerksamkeit. Ich lerne dazu und schlage ein neues Kapitel in der faszinierenden Fußgeschichte auf.
Ich will ehrlich zu dir sein: sehr lange beachtete ich meine Füße kaum. Sie waren nie die schönsten, doch sie funktionierten. Ich war mit anderen Dingen beschäftigt.
Zwar hatte ich den Eindruck, dass sie nach meinen Schwangerschaften immer größer wurden (mitunter passten von einer Saison zur nächsten die Schuhe nicht mehr), dennoch dachte ich mir nichts dabei. Nach und nach bildete sich der berühmt berüchtigte Halluxballen, der zwar noch nicht schmerzte, jedoch unschön war. In der Folge wurde die rechte große Zehe immer schiefer und ich konnte nicht mehr richtig abrollen.
Rückblickend ist das eine Entwicklung von über 30 Jahren.
Wenn der Körper schreit
Wirklich unangenehm wurde es allerdings vor ca. zwei Jahren, als die Großzehennägel zum Einwachsen neigten. Das ist mitunter äußerst schmerzhaft. Außerdem bildeten sich tiefe Schrunden, die mir die zunehmende Fehlstellung schließlich ernsthaft vor Augen führten.
Doch noch immer übernahm ich keine Selbstverantwortung und befragte meinen Orthopäden. Weitere eineinhalb Jahre später (in denen ich noch immer nichts aktiv unternahm, weil immer anderes wichtiger war) riet er mir schließlich zu einer Hallux Operation.

Wartezeit ein Jahr, mindestens sechs bis acht Wochen kein Autofahren. Mit dem Schuh, den ich nach so einer OP verpasst bekomme, ist es auch schwierig sich auf vier Etagen zu bewegen (sehr herausfordernd in Bezug auf die Betreuung meiner Mutter). Für mich das Schlimmste: ich muss bei vielen Dingen um Hilfe bitten und sollte eigentlich Ruhe geben.
Autsch, dass saß!
Selbstverantwortung ist gefragt
Endlich begann ich, mich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen. Ich recherchierte im Internet, folgte entsprechenden Accounts auf Insta. Und schließlich wurde mir klar: eine Operation ist keine Lösung.
Ich lerne, dass sich nicht nur die Großzehe verändert, sondern das ganze Zusammenspiel im Vorfuß. Sehnen ziehen anders, das Quergewölbe verliert Spannung. Die kleinen Muskeln, die wir selten bewusst aktivieren, werden schwächer. Daran ändert sich auch nach einer OP nichts.
Ich erkenne mit Entsetzen, wie wenig ich meine Zehen ansteuern kann. Wie anstrengend die einfachsten Übungen sind und wie verkümmert viele meiner Muskeln. Doch es ist möglich, die Situation zu verbessern.
Mein Blick auf Hallux valgus verändert sich zunehmend. Dabei ist es so logisch und nachvollziehbar! Es geht nicht um einen schiefen Zeh. Es geht um Balance, um Bewusstsein und vor allem um Selbstverantwortung.
Aufmerksamkeit für das Fundament
Gerade wir Frauen 50+ tragen viel, im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Und vielleicht dürfen wir genau jetzt beginnen, unser Fundament bewusster wahrzunehmen.
Für mich wurde Fußtraining kein „Anti-Hallux-Programm“, sondern ein Ritual der Aufmerksamkeit, das ich mit entsprechenden Ölen unterstütze. Meine Wahrnehmung gegenüber meinem Körper verändert sich zunehmend und ich akzeptiere den Handlungsbedarf. Mittlerweile nehme ich meine Füße völlig anders wahr.
Ich buchte umgehend einen Online-Kurs, um mit Strategie an die Sache ranzugehen. Schon längere Zeit folge ich Nadine Kosak auf Insta und ihre Beiträge sprechen mich sehr an. Der Kurs „Bye bye Hallux valgus“ ist meine erste Investition in meine Gesundheit, weitere folgen.
Ich schaue radikal ehrlich in meinen Schuhschrank und bin dabei, ihn auszumustern. Ich kaufte mir mehrere Paar Barfußschuhe, spüre und teste mich derzeit durch. Es ist eine neue Schuhwelt, die sich hier eröffnet. Ich bin noch am Recherchieren und beginne mit günstigen Einstiegsmodellen.
Veränderungen
Innerhalb weniger Wochen wurden Barfußschuhe zu meinen Zehenfreu(n)den, ich gehe mich traumhaft in ihnen! So kann ich auch im Alltag vermehrt die Fußmuskulatur trainieren, zusätzlich zu meinen Aktivierungseinheiten.

Heute übe ich täglich:
- Barfuß stehen und das Fußgewölbe aktivieren
- Zehen bewusst bewegen
- Spüren, wie sich der Stand verändert
Mir wurde schlagartig bewusst, dass Selbstfürsorge unten beginnt. Bei unserem Fundament, den Füßen, die ich so lange sträflich vernachlässigte. Schon lange verdienen sie meine Aufmerksamkeit.
Nicht spektakulär. Nicht laut. Aber nachhaltig.
Danke ihr beiden, ich hab euch jetzt gehört!